Freie Schule Altmark e.V.

Trägerverein der Grundschule und Kita in Depekolk und des Waldkindergartens in Poppau

Ab 15. Juni gilt an unserer Schule wieder: vollständige Präsenzbeschulung! Nachdem die allgemeinen Einschränkungen und Schließungen zunächst drastischer ausfielen als je für möglich gehalten, so geht es jetzt wieder rascher als vor kurzem noch vermutet in Richtung Normalbetrieb.

Ihr Eltern hattet in den letzten zwei Monaten besonderes zu leisten. Ich möchte meinen Dank und meine Wertschätzung darüber ausdrücken. Den bisherigen Eindrücken und Rückmeldungen nach zu urteilen ist euch die Gestaltung dieser Zeit ganz überwiegend gut gelungen. Eure Anstrengung hat sich gelohnt. Ich schreibe seit Wochen an den Lernberichten, und während dieser großartigen Reflexionsübung fiel mir immer wieder auf, dass dieses Schuljahr nicht nur speziell war, sondern auch erfolgreich. Die Kinder haben ihre Entwicklung gemacht!

Viele Veranstaltungen und Aktivitäten sind allerdings der Schulschließung zum Opfer gefallen. Lesenacht und Gruppenfahrt mussten abgesagt werden, die Kreis-Kinder- und Jugendspiele Schwimmen, Schach, Leichtathletik fielen aus, das Schwimmangebot musste vorzeitig abgebrochen werden. Nicht zuletzt: Das Schuljubiläum (25 Jahre FSA) fiel ins Wasser. Viele Schülerinnen und Schüler fühlen sich an dieser Stelle vom Leben betrogen, insbesondere Viertklässler, die keine weitere Gelegenheit für Lesenacht oder Gruppenfahrt im nächsten Jahr mehr haben werden.

Die verbleibenden Wochen wollen wir nun intensiv nutzen, um das Schuljahr zu einem runden und gelungenen Abschluss zu führen, in lernstofflicher, sozialer und jedweder Hinsicht. Die aktuellen Lockerungen der Vorschriften werden es uns erlauben, wenigstens unsere alljährliche Depekolker Schulolympiade durchzuführen. Sie wird natürlich anders ablaufen als in den Vorjahren, ohne Sportplatztag in Pretzier, mit hygienebedingt angepasstem Ablaufplan und insgesamt etwas reduziertem Zeitumfang, aber: Sie wird stattfinden! (ab 22. Juni). Auch unser Verabschiedungsritual für die "Absolventen" am letzten Schultag werden wir in einer den Umständen angepassten Form stattfinden lassen können, worüber wir sehr, sehr froh sind. Die Eltern der Viertklässler sollten sich, wenn beruflich möglich, den 15. Juli ab 12:15 Uhr frei halten.

Trotz einiger Normalisierungen im Schulbetrieb benötigen wir weiterhin jede Woche aufs Neue ein von euch ausgefülltes und unterschriebenes Formular, in welchem ihr die Gesundheit bzw. Symptomfreiheit eures Kindes usw. bestätigt. Dieses Formular findet ihr hier.

Liebe Grüße, Henning

Kinder schaukeln

Dank unserer engagierten Eltern und Spenden, u. a. der Karin Witte Stiftung, konnte die Unterrichtsfreie Corona Zeit zum Aufbau unserer neuer Schulschaukel dienen. Die Kinder sind begeistert, können sie doch jetzt auch immer zu zweit schaukeln! Vielen Dank an alle Akteure!

Wir holen das nach! Ganz bestimmt!

25 Jahre Freie Schule Altmark

25 Jahre Kindergarten Purzelbaum

25 Jahre Hengstenberg Arbeit in Depekolk

 

Zu diesem Anlass laden wir Sie herzlich zu unserer 3-stündigen Weiterbildung mit Peter Fuchs ein!


Verstehen kommt von Stehen – Einführung in die Spiel- und Bewegungspädagogik Elfriede Hengstenbergs

Kinder brauchen Bewegung. Aber welche, damit sie ihr inneres und äußeres Gleichgewicht wieder finden? Dieser Fragestellung der Gymnastiklehrerin Elfriede Hengstenberg (1892-1992) kommt, angesichts der Problematik vieler Kinder unserer Zeit, die sich in ihrer Haltung, Motorik, Emotionalität und Lernbereitschaft ausdrückt, wachsende Aktualität zu.


Mit der Umsetzung des Spiel- und Bewegungsansatzes von Elfriede Hengstenberg in Kitas und Grundschulen schaffen wir günstige Bedingungen für Entfaltungs- und Nachentfaltungsprozesse bei Kindern.

Nach 25 Jahren Praxis mit dem Hengstenberg-Spiel wissen wir: Es bekommt unseren Kindern gut, wenn wir erwachsene Begleiter wissen wie.
Wichtige Impulse für eine, an der natürlichen Lernbereitschaft von Kindern orientierten Begleitung, können wir aus der Hengstenberg-Arbeit bekommen. Auf deren bewährte Spielpraxis können wir uns theoretisch und praktisch (Bewegungsexperimente) beziehen.

Die Weiterbildung findet am Mittwoch, den 1.4.2020 von 14°°-17°° Uhr, in den Räumlichkeiten des FSA e.V. in Depekolk Nr.3, statt.

Anmeldungen bitte direkt in der Kita bei Frau Tzschentke unter der Tel.-Nr. 039032-98122. Bei Teilnahme freuen wir uns über eine kleine Spende.

Bitte mitbringen: Bewegungsfreundliche Kleidung, Wollsocken, Wolldecke, wir bewegen uns auch barfuß.

Es begleitet: M. Peter Fuchs, Gymnasiallehrer, Spiel-/Bewegungspädagoge nach Hengstenberg, Referent der Hengstenberg-Pikler-Gesellschaft e.V., Fachbuchautor.

Mit einem fünfköpfigen Team nahmen wir vor einigen Tagen am Schach-Regionalausscheid "Jugend trainiert für Olympia" für Grundschulmannschaften teil. Schach ist zwar nach wie vor keine olympische Disziplin, auch wenn sich der Weltschachbund schon seit vielen Jahren um die Aufnahme in den erlesenen Kreis der olympischen Sportarten bemüht. Zum Glück darf die Jugend aber auch unabhängig von diesen großen sportpolitischen Entscheidungen trainieren und Wettkampferfahrungen sammeln. Das "Jugend trainiert für Olympia"-Programm stellt Gelder bereit, die die Ausrichtung entsprechender Nachwuchs-Veranstaltungen und -Turniere ermöglichen.

Lange Vorrede, kurzer Sinn: Wir nahmen den langen Weg nach Mahlwinkel (bei Tangerhütte) auf uns, trafen dort auf sieben weitere Grundschulteams aus westlicher und östlicher Altmark, spielten Schach, vertilgten in den Spielpausen dargebotenen Kuchen, spielten erneut, aßen Kuchen, spielten wieder usw. Der Jeder-gegen-jeden-Turniermodus bescherte uns sieben Partien, die wir alle erfolgreich bestreiten konnten: Eine Begegnung endete unentschieden, die übrigen sechs Spiele wurden gewonnen. Damit sicherten sich unsere fünf Depekolker Jungen den Gesamtsieg des Turniers vor den Grundschulmannschaften und einen eindrucksvollen Pokal, der nun in unserem Schulflur zu bestaunen ist. Mit diesem Ergebnis sind wir natürlich auch qualifiziert für die nächste Wettbewerbsrunde, den Landesausscheid, bei dem die besten Teams aus den sachsen-anhaltinischen Regionen aufeinander treffen werden. Ehrensache, dass wir an diesem Landesausscheid im Frühling 2020 dann ebenfalls teilnehmen wollen.

Ich freue mich über dieses stolze Ergebnis, aber fast noch mehr über den Umstand, dass wir überhaupt teilgenommen haben, denn dies war über einige Wochen unklar. Der größere Teil meiner Schachjungen benötigte viel Zureden und Ermutigung, viel Erklären und Angst nehmen, um sich die Herausforderung Turnierteilnahme überhaupt zuzutrauen. Für dieses Mut sammeln und "Über den eigenen Schatten springen" haben sich die Fünf nun selbst belohnt. Prima!

Besonders hervor heben möchte ich abschließend noch Basti, der alle sieben Partien an Brett 1 spielte und sich dort mit den spielstärksten Spielern der Gegenmannschaften messen musste. Basti konnte alle seine sieben Partien für sich entscheiden und somit einen bedeutenden Teil zum Erfolg des ganzen Teams beitragen. Respekt!

Henning

Die Finanzierung der Schulen in freier Trägerschaft ist seit Jahrzehnten eine strittige Angelegenheit, die nicht nur auf der politischen Bühne, sondern immer wieder auch in Gerichtssälen verhandelt wird. Wegweisend war die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, als es 1987 überzeugend darlegte, dass sich aus dem Grundrecht zur Errichtung privater Schulen (Art. 7 Abs. 4 GG) in Verbindung mit den dort aufgeführten Bedingungen (z. B. Sonderungsverbot) eine öffentliche Leistungspflicht ableitet: eine staatliche Pflicht, die Bestandssicherung freier Schulen und somit eines pluralistischen Schulwesens durch eine entsprechend ausgestaltete Finanzhilfe zu gewährleisten.

Dreißig Jahre nach dieser epochalen Leitentscheidung lässt sich feststellen, dass unter dem Druck knapper öffentlicher Haushalte diese verfassungsrechtliche Leistungspflicht angekratzt und ausgehöhlt wurde. Die Politik setzte verschiedentlich den Rotstift an, aber auch die Rechtsprechung der Gerichte entfernte sich schrittchenweise von der reinen Verfassungslogik, die das BVerfG 1987 so schlüssig zelebrierte. Kostenökonomische Argumentationen hielten Einzug auch in juristische Denkweisen und Begründungen, die Rechtsprechung geriet unter den "kalten Stern der Knappheit" (J. M. Keynes). Dies ist äußerst bedenklich, sollte die Gewährung und Ausübung von Grundrechten nicht durch die Knappheit öffentlicher Haushalte tangiert werden. Knappe Mittel sind primär dort einzusparen, wo rein politisch gewollte Subventionen vorliegen, nicht jedoch auf dem Feld des vom Grundgesetz ausdrücklich institutionalisierten Schulwesens in freier Trägerschaft!

Fakt ist jedoch, dass die öffentliche Hand an jedem Schüler an einer Schule in freier Trägerschaft spart, indem sie für ihn nur Zweidrittel des Geldes aufwendet wie für einen Grundschüler an einer staatlichen Schule. Wieviel genau das Land je "freien Schüler" zahlt, wird in Sachsen-Anhalt jedes Jahr aufs Neue anhand einer im Landesschulgesetz (§ 18a) festgeschriebenen Formel berechnet. Diese Formel ist kompliziert und greift mit mehreren Parametern auf die tatsächlichen Verhältnisse an den staatlichen Schulen zurück. Zum Beispiel der Parameter "Klassenfrequenz" (= Schüler je Klasse): Verwendet wird der Landesmittelwert der entsprechenden staatlichen Schulen des jeweils vorangegangenen Schuljahres. Steigt die Schülerzahl in den Klassen der staatlichen Schulen, sinkt die Finanzhilfe für die freien Träger (so dass diese genötigt werden, über ebenfalls höhere Klassenstärken oder andere Rationalisierungen nachzudenken).

Ein anderer Parameter der Berechnungsfomel nennt sich "Jahresentgelt". Dahinter verbirgt sich das Bruttoentgelt einer angestellten Lehrkraft an einer staatlichen Schule im laufenden Schuljahr. Dieses wird maßgeblich durch den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) bestimmt. Dieser Tarifvertrag beinhaltet mittlerweile sechs "Erfahrungsstufen", die die Länge der Dienstzugehörigkeit berücksichtigen. Das Gehalt steigt von Stufe zu Stufe. Die angestellten Lehrkräfte an den staatlichen Schulen Sachsen-Anhalts sind ganz überwiegend in den Erfahrungsstufen 5 (ab 10 Jahre Dienstzugehörigkeit) und 6 (ab 15 Jahren) eingestuft. Der Mittelwert liegt, je nach Schulform, zwischen 5,4 und 5,7. Dieser hohe Wert überrascht nicht, wenn man sich klar macht, dass ein z. B. 27jähriger Berufsanfänger im Lehrerberuf bereits mit 42 Jahren in die höchste Erfahrungsstufe 6 rutscht und dort dann bis zum Ruhestand verbleibt, womöglich also weitere 20 oder 25 Jahre lang und somit den längsten Teil seiner Diensttätigkeit überhaupt.

Pikanterweise legt das Bildungsministerium bei der Berechnung der Finanzhilfe für freie Schulen seit 12 Jahren konstant die Erfahrungsstufe 4 zugrunde. Die tatsächlichen Verhältnisse an den staatlichen Schulen werden damit seit Jahren nicht korrekt abgebildet, obwohl dies das Schulgesetz vorsieht.

Eine Magdeburger Privatschule hat vor Jahren bereits damit begonnen, die ihr zugegangenen Finanzhilfebescheide des Landesschulamtes gerichtlich anzufechten. Mit Erfolg! Seit über einem Jahr ist letztinstanzlich geklärt, dass die Berechnung der Finanzhilfe fehlerhaft bzw. rechtswidrig war. Empörenderweise führte dies bisher zu keiner Abänderung der Berechnungsweise! Nach wie vor, zuletzt im September 2019 bei der Festsetzung der endgültigen Schülerkostensätze für das vergangene Schuljahr 2018/2019, wird lediglich die Erfahrungsstufe 4 angelegt. Die rechtswidrige Praktik wird dreist fortgeführt! Hintergrund dafür ist der schlichte Umstand, dass diesbezügliche Mittel im Haushalt nicht eingestellt sind. Der politische Wille, Mittel über einen Nachtragshaushalt bereit zu stellen, ist offensichtlich nicht gegeben. Der politische und öffentliche Druck, umgehend zu einer schulgesetzkonformen Handhabe überzugehen, fehlt leider auch. Zumindest noch.

Der Verband deutscher Privatschulen (VDP), bei dem auch wir Mitglied sind, initiiert nun eine Klagewelle freier Träger gegen das Land. Auch wir als kleine Dorfschule loten derzeit Aufwand und Nutzen einer Klage aus. In Kürze werden wir entscheiden, ob auch wir Finanzhilfebescheide gerichtlich anfechten.

Den Eltern, die flankierend einen Protestbrief an den Ministerpräsidenten Haselhoff absandten, danke ich herzlich. Freie allgemeinbildende Schulen beherbergen immerhin 9,4 % aller Schüler des Landes (2017), Tendenz steigend. Es geht also um nicht wenige Menschen, Familien und Wähler. Das dürfen die Landespolitiker gerne merken.

Henning